Referenten: Jens Beier, Bereichsleiter Ambulante Pflege, DRK Tagespflegen, DRK Hausnotruf sowie Carsten Buback, Pflegeberatung Obernkirchen: Dialogveranstaltung zum Thema: Pflege im Landkreis Schaumburg
Die beiden Referenten gaben einen Überblick über die Pflegesituation im Landkreis Schaumburg sowie das Engagement des DRK. Dort engagieren sich 300 hauptamtliche Mitarbeitende unterstützt von über 500 Ehrenamtlichen in den verschiedenen Bereichen der Pflege, der Migrationsarbeit, der Tafeln, der Jugend- und Familienhilfe sowie der Ersten Hilfe und der Rettung.
Bezogen auf die Einrichtungen und ambulanten Pflegedienste weist der Landkreis Schaumburg eine der höchsten Pflegedichten in Deutschland auf. Somit ist die Pflege eigentlich gesichert.
Mehr als 30 ambulante Pflegedienste, 20 Tagespflegeeinrichtungen und über 40 Stationäre Einrichtungen im Landkreis bieten ihre Hilfe und Unterstützung an.
Dennoch ist die Situation mehr als angespannt. Die Vielzahl der Einrichtungen führt zu einer hohen Fluktuation bei der Mitarbeitenden. Der eklatante Fachkräftemangel hat eine Begrenzung der Kapazitäten zur Folge mit der nicht mehr kostendeckend gearbeitet werden kann. Lohnfortzahlungen sind gefährdet, Mitarbeiter wandern ab, die Auslastung wird noch geringer und am Ende steht die Insolvenz. Die durchschnittliche Verweildauer von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen beträgt 6 Monate. Das erfordert eine ständige Anpassung der Belegung. Hinzu kommt eine enorme finanzielle Belastung durch zeitlich länger andauernde Vorleistungen, sofern das Sozialamt die Finanzierung übernehmen muss.
Auch die ambulanten Pflegedienste können nicht alle Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllen. Die ambulante Pflege setzt sich zusammen aus der Grundpflege, der medizinischen Versorgung und der Betreuung.
Die finanzielle Unterstützung durch Pflege- ihn Krankenkassen sind daher darauf ausgelegt, die Pflege so lange wie möglich zu Hause zu leisten. Der größte Pflegedienst sind die Angehörigen.
Daher ist es wichtig rechtzeitig Vorsorge zu treffen durch Vollmachten und Patientenverfügung, damit im Ernstfall die Betreuung und Versorgung nach dem Willen des zu Pflegenden erfolgen kann. Eine notarielle Beglaubigung verschafft zusätzliche Rechtssicherheit ist aber nicht zwingend vorgeschrieben.
Über innovative Neuerungen in Pflege und Betreuung berät u.a. das Living Care Lab in Stadthagen.
In einem angeregten Austausch berichten die Teilnehmer über eigene Erfahrungen und Erlebnisse.
Am Ende stellte sich die Frage, was der zukünftigen Landratskandidatin der SPD Andrea Stüdemann mit auf den Weg gegeben werden kann um die Situation zu verbessern:
Einvernehmlich wurde klargestellt, dass die Rahmenbedingungen für alle an der Pflege Beteiligten nicht mehr passen. An erster Stelle steht der Bürokratieabbau: Pflege besteht aus direkter Hilfe und nicht aus Dokumentation. Es wird empfohlen die Beteiligten direkt anzuhören.