Auf der Suche nach gemeinsamem Nenner

Landrat Jörg Farr
 
 

Landrat Jörg Farr betont Konsensprinzip / Förderprogramme im Kampf gegen Arbeitslosigkeit
Während der Geburtstagsfeier der SPD Schaumburg in der Lieth-Halle Obernkirchen anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Partei erinnerte Landrat Jörg Farr zu Beginn seiner Rede daran, dass es im vergangenen Jahrhundert in Schaumburg überwiegend eine Mehrheit der SPD in den kommunalen Vertretungen, in den Kreistagen und in den Räten gegeben hat.

 

Das sei mit der Bevölkerungsstruktur zu erklären. Die sogenannten "kleinen Leute", also die Arbeiter in der Glasindustrie, im Bergbau und die kleinen Handwerksbetriebe, seien "klassisch geborene Sozialdemokraten" gewesen.
Menschen wie Herbert Saß, Ernst-August Kranz, Werner Vehling, Ulrich Neidhardt, Hans-Heinrich Eckmann, Klaus-Henning Lemme und Heinz-Gerhard Schöttelndreier sei es "weniger um programmatische Aussagen als vielmehr um ganz konkrete Problemlösungen" gegangen.
"Nur so viel Konflikt wie nötig, aber so viel Konsens wie möglich", sei nach der Kreisgebietsreform das Motto gewesen. Im Schaumburger Kreistag dominiere die Suche nach dem gemeinsamen Nenner. Mit Ausnahme der schulpolitischen Debatten sei das in den vergangenen 35 Jahren gut gelungen. "Es ist mir ein Anliegen, dieses sogenannte Konsensprinzip in meiner Amtszeit fortzusetzen", betonte der Landrat.
Zum zweiten Mal in den letzten Jahrzehnten erlebe man in Schaumburg einen rasanten Strukturwandel. In den letzten 15 bis 20 Jahren seien über 3.000 Industriearbeitsplätze abgebaut worden. Gegen die Entscheidungen internationaler Konzerne sei man machtlos. Der Landkreis habe aber nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern eine aktive Wirtschaftsförderung aufgebaut. Frühzeitig habe man Programme wie "Arbeit statt Sozialhilfe" kreiert. "Wir waren überzeugt davon, dass es besser für die Menschen ist, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen nachzugehen als Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen", sagte Farr.
Nur konsequent sei es daher gewesen, Anfang 2012 die Gesamtverantwortung für das JobCenter zu übernehmen, um Leistungen aus einer Hand anbieten zu können.
Auch dank eines funktionierenden Netzwerks in Schaumburg sei es mit den Partnern gelungen, die Arbeitslosigkeit von über 14 Prozent in 2005 auf heute 6,8 Prozent zu verringern. Da man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen will und 6,8 Prozent noch zu hoch seien, gebe es ab diesem Jahr spezielle Förderprogramme für Alleinerziehende, für Migranten und zum Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Schaumburger Wochenblatt vom 05.06.2013 | Foto: hb/m