Alle Schaumburger Kinder müssen eine gerechte Chance bekommen

Wb 130109
 

Bildung und Sprache sind Schlüssel für eine gelingende Integration / Niedersachsen ist Schlusslicht beim Kita-Ausbau

Kars­ten Be­cker machte ein­lei­tend deut­lich, dass die prak­ti­sche In­te­gra­ti­ons­ar­beit "vor Or­t" in den Kom­mu­nen ge­leis­tet wer­de. Die ent­spre­chen­den ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen müss­ten von Bund und Län­dern ge­stal­tet wer­den.

Nach­dem erst­mals im Jahr 2000 mit der Re­form des Staats­bür­ger­schafts­rechts und dem Ein­set­zen der "Süss­muth"-Kom­mis­sion die Grund­la­gen für eine ge­ord­nete Zu­wan­de­rungs- und In­te­gra­ti­ons­po­li­tik in Deutsch­land ge­schaf­fen wor­den sei­en, sei es an der Zeit, eine Zwi­schen­bi­lanz zu zie­hen. Da­bei könne man den Er­folg von In­te­gra­tion nicht an­hand der "Ak­zep­tanz von kul­tu­rel­len Un­ter­schie­den", son­dern an­hand mess­ba­rer Kri­te­rien wie "­Schul­ab­schlüs­sen, Ar­beits­lo­sen­quo­te, Wohn­si­tua­tion und Ein­kom­men" be­ur­tei­len. In Nie­der­sach­sen liegt laut Be­cker die Quote der Schul­ab­gän­ger ohne Schul­ab­schluss bei etwa 6 Pro­zent, bei Aus­län­der­kin­dern hin­ge­gen so­gar bei rund 16 Pro­zent. Das spre­che nicht für die Qua­lität ei­nes Bil­dungs­sys­tems. "­Die Zu­kunfts- und Le­benschan­cen müs­sen drin­gend ver­bes­sert wer­den", for­derte Becker. Die gleich­be­rech­tigte Teil­habe müsse sich auch nach der Schule mit Be­ginn des Be­rufs­le­bens fort­set­zen.

Ay­dan Ö­zo­guz zeigte auf, dass etwa 16 Mil­lio­nen Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund - min­des­tens ein El­tern­teil ist im Aus­land ge­bo­ren - in Deutsch­land le­ben. "­Deutsch­land ist ein Ein­wan­de­rungs­land, es kom­men aber keine Mas­sen", so Ö­zo­guz. Da­bei han­dele es sich um eine "­stark eu­ropäi­sche Zu­wan­de­rung. In 2011 sind die meis­ten Men­schen aus Po­len (173.000) und Rumä­nien (95.000) nach Deutsch­land ge­kom­men. "­Die EU war ge­wollt, es war das Ziel, dass die Gren­zen fal­len und im­mer Men­schen wan­dern", er­in­nert Ö­zo­guz.

­Bil­dung und Spra­che sind nach den Wor­ten von Ay­dan Ö­zo­guz der Schlüs­sel für eine ge­lin­gende In­te­gra­tion. In­te­gra­ti­ons­kurse zum Spra­ch­er­werb müss­ten aus­rei­chend fi­nan­ziert wer­den. Als "ab­surd" be­zeich­nete die Re­fe­ren­tin das ge­plante Be­treu­ungs­geld.

Nie­der­sach­sen sei mit 20.000 feh­len­den Be­treu­ungs­plät­zen das Schluss­licht beim Kita-Aus­bau. "Wir müs­sen et­was tun, da­mit es ein Stück ge­rech­ter wird - alle Kin­der müs­sen hier als Schaum­bur­ger Kin­der be­grif­fen wer­den, für die nur das Beste ge­wollt wird", wünscht sich Ay­dan Ö­zo­guz für die Zu­kunft.

Fo­to: hb/m

Quelle: Schaumburger Wochenblatt - 09.01.2013